Gestern Abend haben Peter und ich wieder einmal ein tiefgründiges ICQ-Gespräch zum Thema Sterben, Tod und Erinnerung geführt.
Man hat Angst, die Stimmen der Verstorbenen zu vergessen. Zwar kann man sich die Menschen auf Fotografien ansehen, obwohl man sie vielleicht nie kennengelernt hat, weil man erst nach dem Tod desjenigen geboren wurde oder aus irgendeinem anderen Grund, aber Fotografien sind nicht genug. Fotografien können nur die optischen Merkmale festhalten, meistens wohl zu besonderen Anlässen, Hochzeiten, Geburtstage.
Was fehlt, ist die Akustik. Die Angst, den Klang der Stimme eines Menschen zu vergessen, liegt nahe.
"Auf einmal ist man tot, begraben und bald vergessen."
Und nur in den Erinnerungen der Hinterbliebenen lebt man weiter. Bis auch diese verstorben sind. Und dann ist man vergessen. Lebt nur noch auf Fotografien. Und wieder das alte Problem. Wir sollten mehr filmen. So wunderbar Fotos auch sind.
Ich habe darüber nie so nachgedacht, Peter brachte diesen Gedanken an. Und er hat vollkommen recht. Natürlich hat er das.
Nebenbei habe ich festgestellt, dass der Tag, an dem mein Opa gestorben ist, wohl der ist, den ich noch am deutlichsten in Erinnerung habe. Ich war noch nicht einmal 6 Jahre alt als mein "Lieblingsopa" starb, auch wenn das gemein klingt, aber Kinder sind so. Ich weiß noch, wie meine Mutter mir sagte, dass er gestorben sei. Ich wusste gar nicht, was das heißt/bedeuten soll. Ich wurde wie gewohnt in den Kindergarten gebracht, und ich glaube, dass meine Mutter zu den Erziehern noch etwas sagte.
An die Beerdigung kann ich mich nur noch gering erinnern. Ich wüsste nicht mehr, wie das Wetter war, vermutlich aber kalt, es war Januar.
Ich glaube noch zu wissen, wie seine Stimme klang. Und ich weiß noch, dass er immer später aufstand als ich und meine Oma und dass er dann immer allein in der Küche frühstückte, nicht wie meine Oma und ich, im Wohnzimmer.
Ich schätze, wenig später fing dann auch meine Angst vor dem Tod an. Dieses Gefühl, dass sich vor allem dann einschleicht, wenn ich schlafen möchte und mich dann eben davon intensiv abhält.
Richard Feynmann sagte:"Wie gut, dass man nur einmal sterben muss, es ist so langweilig."
25. August 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
im original: "I'd hate to die twice. It's so boring."
Kommentar veröffentlichen